Mit Social Media sich endgĂĽltig weiter entwickeln
Kai Fischer unterstreicht im aktuellen Newsletter von Spendwerk einen aufmerksamen Umgang mit Social Media und legt dazu fünf konkrete Vorschläge vor. Ähnlich wie andere Kollegen auf Netzwerk PR distanziert er sich von einer primär Zahlen lastigen Betrachtung des Social Web. Stattdessen bemisst er den Wert von Social Media unter einer strategischen Zielstellung und davon abgeleiteten Erfolgsgrößen.
Die Netzwerk-Nonprofit
Beth Kanter und Allison Fine gehen in ihrem Buch „The Networked Nonprofit“ noch einen Schritt weiter und zugleich eine Ebene tiefer. Für sie besteht die entscheidende Überlebenschance gemeinnütziger Organisationen in unserem Jahrhundert darin, aus ihrer Isolation und Konzentration auf sich selbst heraus zu kommen. Die Autorinnen nennen das „to break out of their lonely silos“. Neben den Begriff der „Silo-Nonprofit” stellen sie den der „Networked Nonprofit”. Das ist eine Nonprofit, die von vorneherein als Netzwerk arbeitet, und nicht nur in einem Netzwerk. Sie verwebt Menschen untereinander.
Ihre Charakteristika
Was kennzeichnet in den Augen der Expertinnen eine vernetzt denkenden Nonprofit? Das sind vor allem diese drei WesenszĂĽge:
1) Bei ihr verschwimmen die Grenzen zwischen Institution und Individuum.
2) Sie ermöglicht das öffentliche Gespräch.
3) Sie verbindet sich mit der äußeren Welt.
Abkehr vom Silodenken sogar bei Spenderlisten
Wer arbeitet so? Dazu dieses Spotlicht: Als ich für meine Feldstudie zu Grassroots Fundraising in den Staaten war, haben mir beim Interview gleich mehrere Kolleginnen berichtet, wie selbstverständlich sie nicht allein Know-How, sondern auch Listen mit Spenderadressen untereinander austauschen, um sie für den eigenen Bedarf dann neu zu verschneiden und für ihre Aussendungen zu nutzen.
Gegenseitige Abgrenzung aus Angst vor Spendenkannibalismus bezeichnete Laura Brouse-Long, die beim Smithsonian-Museum für den Freundeskreis zuständig ist, als bedauerliche Haltung der 80ger Jahre. So kooperiere das Smithsonian beispielsweise allein beim Fundraising mit verschiedenen Museen und dem National Trust for Historic Preservation. Immerhin wollten sie alle ja das Gleiche, nämlich die amerikanische Geschichte erzählen.
Diese offene Haltung prägt die Präsenz des Smithsonian auf Flickr, Facebook, Twitter und natürlich YouTube.
Hier darf Dir etwas misslingen, hier nicht
Manche Fehler sind richtig gut, mache wirklich unverzeihlich. Kurz, Fehler unterscheiden sich, meint Seth Godin. Deshalb schlägt er eine Fehlerhierarchie mit fünf Stufen vor.
Fehlerhierarchie allgemein
1) Mache viele Fehler dabei, den Status Quo zu verbessern. Also bei Brainstormings, Angeboten, Konzepten fĂĽr Kunden.
2) Mache häufig Fehler bei Prototypen, Arbeitsblätter, Mustern oder Kopien.
3) Mache hin und wieder Fehler bei Nachbildungen, Testläufen, Vorstandssitzungen.
4) Mache selten Fehler in der Interaktion mit kleinen Gruppen realer Kunden.
5) Mache nie einen Fehler dabei, Deine Versprechen Deinem Auftraggeber gegenüber einzulösen.
Doch das Gegenteil ist nach Seth Godin der Fall. Viele Organisationen überfahren ihre Kunden häufig mit dem Argument „Es ging nicht anders“, anstatt pro-aktiv nach Möglichkeiten zu suchen, intern und im Verborgenen „zu scheitern“ und intensiv nach Alternativlösungen zu schauen.
Diese Ignoranz und Unzuverlässigkeit schaffen jedoch deutlichen Unmut bei den Kunden.
Fehlerempfehlung fĂĽrs Fundraising
Der Fundraisingexperte Jeff Brooks ĂĽbersetzt das fĂĽrs Fundraising so:
„For fundraisers, that means something like this: Fail a lot in your search for new ideas and new fundraising approaches. But never fail to serve and respect your donors”.
Also: Mache immer wieder Fehler bei Deiner Suche nach neuen Ideen und Ansätzen fürs Fundraising, aber mache niemals Fehler dabei, Deine Spender zu bedienen und sie zu respektieren.
Kann man sich merken, oder?
People give to people - Fundraising Kongress Wien 2010

Am Dienstag erhielt ich schöne Post aus Wien, nämlich das Programmheft zum diesjährigen Österreichischen Fundraisingkongress 2010. Sein Motto lautet “People give to people”.
Spenderorientierung als Trend
Im Vorwort schreibt Dr. Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbandes Austria: „In den USA sehen wir bereits den Trend: Die nächsten zehn Jahre werden spenderzentriert sein! Nicht die gemeinnützige Organisation, nicht die wichtigen Projekte, sondern der Wunsch des Spenders rückt in den Mittelpunkt des Fundraising. Er will mit seiner Spende etwas bewirken, etwas verändern, und er will persönlich angesprochen werden...“
Motto und Vorwort sprechen mir aus dem Herzen. Gerade die Ausrichtung auf den Spender gibt meine eigene Werthaltung wider, so gehe ich an Fundraising heran.
Meine 2 Angebote dazu
Deshalb ehrt es mich, auf dem Kongress als Referentin dabei zu sein.
Meinen Vortrag zu „Grassroots Fundraising – Loyale Unterstützer finden“ kannst Du am Dienstag, 12.Oktober 2010 hören.
Meine Masterclass zu „Strategie und Werkzeuge für Ihr Grassroots Fundraising“ kannst Du am Mittwoch, 13.Oktober 2010, belegen.
Sehen wir uns im Veranstaltungszentrum Europahaus Wien?
Ich freu mich auf Dich!
So setzt Du Spenderorientierung leicht um
Brigitte Reiser formuliert in ihrem aktuellen Blogartikel „Koproduktion und Paradigmenwechsel im Sozialsektor“:
„Auch wenn gemeinnützige Träger im Sozialsektor derzeit noch in ihrem organisations- und outputorientierten Paradigma gefangen sind: die Zukunft gehört den Beziehungen, den Netzwerken und Verbindungen in die Zivilgesellschaft hinein“.
Ihrer Einschätzung schließe ich mich gern an. Allein, wie sieht diese Netzwerk-Orientierung für gemeinnützige Organisationen aus?
Koproduktion als Modell fĂĽr die Zukunft
Dafür schlägt Brigitte Reiser das Modell der Koproduktion vor, bei dem es darum geht, „…Wissen und die Kompetenzen von Bürgern und Sozialeinrichtungen zu poolen, um die bestmöglichsten Ergebnisse für die Gesellschaft zu erzielen (Boyle/Harris 2009)…“. „Poolen“ definiert sie als ergebnisoffenen Austausch gleichwertiger Partner, die ihre jeweiligen Lösungsvorschläge einbringen und gemeinsam bündeln. Die Partner sind hier die Organisation und ihre Unterstützer.
Das alles erinnert mich durchaus an die Forderung von Willy Brandt nach „Mehr Demokratie wagen“, oder?
HeiĂźt Spenderorientierung fĂĽr die Praxis jetzt
Gern breche ich diese Sätze noch weiter herunter, um „Koproduktion“ so umsetzen zu können, dass sie weder die freiwilligen Akteure überfordert noch die Professionellen wegen zu hoher Erwartungen enttäuscht. Dazu greife ich aufs neue eBook „How to Raise a Lot More Money Now“ von Network for Good zurück, in dem Fundraising-Experten ihre wichtigsten Empfehlungen zusammen stellen. Für die Auswahl meiner Vorschläge habe ich mich vom Prinzip der Spenderorientierung leiten lassen.
Dazu diese 3 Tipps
1) Mark Rovner: Lade Spender dazu ein, an der Entwicklung des „perfekten Fundraising-Briefes“ teilzunehmen.
2) Kivi Leroux Miller: Was können Deine Unterstützer in 30 Tagen tun, um die Welt zu verbessern? Entwickle genau dazu eine Kampagne.
3) Beth Kanter & Allison Fine: Umarme Dritte außerhalb Deiner Organisation. Lass sie in ihrer Art und mit ihren Worten für Deine Organisation sprechen, ohne dass Du sie zwingst, Deine Stromlinienform anzunehmen. Höre ihnen und ihren Ideen zu und setze sie um!
Praktisch und spielerisch zugleich.
Web 2.0 heißt vor allem „Wenige zu Vielen“
Ich liebe es, wenn ich meinen Beitrag beisteuern darf und kann. Entsprechend hat mich das Web 2.0 als neue Möglichkeit zur Partizipation schon immer magisch angezogen. Gern bin ich dabei; so blogge ich selbst und steige in Gespräche anderer Blogger ein.
Doch wie sehen und nutzen andere das Web 2.0? Und was für Schlussfolgerungen können wir aus ihren Auffassungen für den gemeinnützigen Bereich ziehen?
Email ist Standard
Die erste Frage beantworte ich mit den Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie von 2010. Die Untersuchung zeigt:
1) Die wenigsten beteiligen sich, indem sie aktiv Inhalte liefern.
2) Die meisten schauen zu. Konkret, sie lesen Texte oder gucken Videos. Ihre Zahl wächst weiter.
3) Das Netz dient prinzipiell primär der Unterhaltung und Beschaffung von Informationen.
4) In privaten Netzwerken steigt die Bereitschaft sogar der zwischen 30- und 60-Jährigen, auch von sich heraus Kurznachrichten zu versenden und Fotos oder Videos hochzuladen. Die Betonung liegt hier auf „privat“.
5) Das wichtigste Kommunikationsmedium bleibt die Email. Sie ist Standard gerade bei den 30- bis 60-Jährigen.
Somit gilt für das Web 2.0 ein ähnlicher Grundsatz wie für die Offline-Welt. Die Idee des Mitmachens wird durch eine überschaubare Gruppe von deutlich unter 5 Prozent weitergetragen.
Wenig ist viel
Was heiĂźt das fĂĽr hiesige NPO?
1) Lege gezielt für diese wirklich kleine Anzahl Aktiver Partizipationsangebote auf. Beliebt sind Blogs, Fotoplattformen und Twitter. Denn diese spezifischen Content-Lieferanten und ihre Beiträge sind spannend für die andern User. Ähnlich wie Gladiatoren im alten Rom.
2) Stecke nüchterne Ziele für die Höhe der Nachfrage und freu Dich über die gezeigte Beteiligung. Das ist beispielsweise bereits das Abonnement eines Blogs, nicht erst seine Kommentierung. Denn das Lesen eines Blogs bedeutet, seine Freizeit diesem Thema zu widmen, ja, seine Zeit zu investieren.
3) Biete den Konsumenten wirklich hochwertige Angebote fĂĽr ihre Unterhaltung und Information. Sprich, sei immer tagesaktuell und zeige auch mal 2-3-minĂĽtige Filme.
Eine gute Orientierung bietet dabei in meinen Augen das Radio mit seinen vielfältigen Angeboten zur Unterhaltung, Information und Mitgestaltung.
Gutes Gelingen.
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